Konsortium um CIRCULAR REPUBLIC präsentiert Empfehlungen für ein deutsches EPR-System für Textilien

München, 15. Juli 2026. Wer Textilien in Verkehr bringt, muss sich künftig auch um deren Sammlung, Sortierung und Recycling kümmern. Die EU hat die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien EU-weit verpflichtend gemacht. Deutschland setzt die Vorgaben derzeit in nationales Recht um. Die Systeme müssen bis April 2028 stehen. CIRCULAR REPUBLIC, die Initiative für Circular Economy von UnternehmerTUM, stellt dazu auf der MUNICH FABRIC START, einer der führenden europäischen Textilmessen, erstmals den „System Design Report zur erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien in Deutschland" vor. Der Report enthält Empfehlungen für die Ausgestaltung des deutschen Textilgesetzes, erarbeitet von mehr als 20 Stakeholdern aus der gesamten textilen Wertschöpfungskette.
Deutschland sammelt bereits große Mengen an Alttextilien. Jährlich fallen rund 1 Millionen Tonnen an. Trotz hoher Sammelmengen werden heute weniger als 1 % der Textilien wieder zu neuen Textilien recycelt. Die Herausforderung besteht darin, diese Materialien hochwertig im Kreislauf zu halten. Während die Mengen an Alttextilien steigen, fehlen bislang ausreichend Kapazitäten und Finanzierungsmechanismen für Wiederverwendung, Sortierung und insbesondere hochwertiges Textil-zu-Textil-Recycling. Infolgedessen wird der Großteil der gesammelten Textilien exportiert, downgecycelt oder energetisch verwertet, statt als Rohstoff für neue Textilien genutzt zu werden.
Das soll sich mit einem künftig verpflichtenden EPR-System in der Textilbranche ändern. Hersteller sollen an den Kosten für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling beteiligt werden und dadurch Investitionen in eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Damit ein neues EPR-System einen Anstoß in Richtung Kreislaufwirtschaft geben kann, muss es ökologisch wie ökonomisch sinnvoll umgesetzt werden. Dafür spricht ein Konsortium aus Herstellern, Händlern, Organisationen für Herstellerverantwortung (OfHs), Sammlern, Sortierern, Recyclern, Digitalanbietern und Materialinnovatoren der Textilindustrie, unter Koordination von CIRCULAR REPUBLIC, Empfehlungen für ein sinnvoll gestaltetes EPR-System in Deutschland aus. Zu dem Konsortium gehören unter anderem BASF, Decathlon, Interzero, SAP, die Unternehmen der Schwarz Gruppe, Tchibo und Zalando.
Kernempfehlung des Konsortiums ist eindeutig
Deutschland braucht ein System mit mehreren, im Wettbewerb stehenden Herstellerverantwortungsorganisationen (OfHs).
OfHs sind Organisationen, die im Auftrag der Hersteller mit der operativen Umsetzung der EPR-Pflichten betraut sind und Sammlung, Sortierung sowie Recycling beziehungsweise Verwertung von Textilien organisieren und finanzieren. Das System soll durch gemeinsame Institutionen, etwa ein zentrales Register und eine gemeinsame OfHs-Stelle, zentralisiert werden. Dadurch sorgt der Wettbewerb einerseits für Effizienz und Innovation, andererseits sichern gemeinsame Standards Transparenz, faire Bedingungen und die Erreichung der Umweltziele. Die Empfehlung stützt sich unter anderem auf Erfahrungen aus Frankreich, dem ersten EU-Land, das ein Textil-EPR eingeführt hat. Dort wurde jedoch ein Monopolmodell mit nur einer Organisation gewählt, mit deutlichen Schwächen, wie fehlendem Wettbewerbs- und Innovationsdruck.
Die acht Empfehlungen des Konsortiums im Überblick
1. Modell, Institutionen und Compliance
Aufbauend auf bisherigen EPR-Erfolgen wird ein privat organisiertes Modell mit mehreren miteinander im Wettbewerb stehenden OfHs bevorzugt, gebunden an einheitliche Mindeststandards.
2. Gebührenstruktur
Vorgeschlagen wird eine transparente dreiteilige Gebührenstruktur aus OfHs-spezifischen Betriebsgebühren, OfHs-übergreifenden Beiträgen und einheitlichen Ökomodulationsgebühren. Basis ist ein stück- und produktkategoriebasierter Ansatz mit Umrechnung in gewichtsbasierte Mengen.
3. Förderung von Forschung und Entwicklung
Forschung und Entwicklung in Sortier- und Sammelinfrastruktur, Recyclingtechnologien, kreislauffähiges Produktdesign, Stärkung von Wiederverwendung, Reparatur und digitale Rückverfolgbarkeit sollen zentral über einen OfHs-übergreifenden Fonds mit transparenter Multi-Stakeholder-Governance koordiniert werden.
4. Ökomodulation
Ein einheitliches Bonus-Malus-System soll finanzielle Anreize für nachhaltiges Produktdesign schaffen. Kriterien und Gebührenstrukturen sollen zentral verankert, eng an die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) Anforderungen angelehnt und entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgelegt sein.
5. Sammlung und Sortierung
Die Textilsammlung soll über ein gebietsbasiertes Ausschreibungssystem organisiert werden, bei dem ein gemeinsames OfH-Gremium oder eine benannte OfH Leistungen im Auftrag aller PROs beschafft. Gemeinnützige Organisationen sollen als systemstärkende Partner eingebunden werden.
6. Pre-treatment und Recycling
Eine materialspezifische, regelmäßig überprüfte Textile-to-Textile-grade Recyclingquote, gekoppelt an Qualitätsanforderungen des Recyclats, soll das Textil-to-Textile Recycling als Verwertungsweg und das Investorenvertrauen fördern.
7. Resilienz und Regionalität der Wertschöpfungskette
Ökomodulierung und F&E-Förderung sollen eingesetzt werden, um die Regionalität und Resilienz der europäischen Wertschöpfungskette langfristig zu stärken.
8. Dateninfrastruktur
Das EPR-System sollte auf einer harmonisierten Datennomenklatur beruhen. Auch kann ein digitaler Produktpass einen Mehrwert für die End-of-Life-Verarbeitung schaffen, dennoch muss das EPR-System auch ohne ihn funktionieren, da Alttextilien ohne Pass noch viele Jahre im Umlauf sein werden.
Nächste Schritte
Der Report wird an das Bundesumweltministerium, die verantwortlichen Mitglieder des Bundestags und das Bundeswirtschaftsministeriums übermittelt. Zwei Pilotprojekte sind geplant: eines zur Ökomodulation und deren Auswirkungen auf Marken, das andere zur Erprobung des Textil-zu-Textil-Recyclingpotenzials in heutigen Alttextilströmen.
Download des vollständigen Reports unter:
https://www.circular-republic.org/epr-textiles
CIRCULAR REPUBLIC ist Europas führende Implementierungsplattform für die Circular Economy. Als Teil von UnternehmerTUM, Europas größtem Zentrum für Innovation und Gründung, befähigt die Initiative etablierte Unternehmen und Startups, zirkuläre Innovationen und skalierbare Geschäftsmodelle zu realisieren. Durch die Vernetzung relevanter Akteurinnen und Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette setzt CIRCULAR REPUBLIC die systemverändernden Impulse, die für eine resiliente, nachhaltige und wettbewerbsfähige Wirtschaft von morgen entscheidend sind.